Pressemitteilung, 02.12.2025
Medienbildung an Schulen und Universitäten
Es gibt Ansätze für ein Schulfach Medienbildung, z.B. in Erfurt und Berlin, aber keine Systematik und noch nicht einmal einen umfassenden Lehrplan für ein Studienfach der Lehrkräfte-Ausbildung. Das kontrovers diskutierende Podium, das aus dem Lehrer und Autor Nils B. Schulz, Prof. Carola Richter von der Freien Universität, sowie Franziska Brychcy für die Landespolitik Berlin und Michel Hose für die Bundesbildungspolitik bestand, war sich in einem einig: es muss etwas geschehen, damit aus den Ansätzen ein nachhaltiges Studien- und Schulfach Medienbildung entstehen kann.
Unter der Diskussionsleitung von Prof. Sabine Schiffer wurden diverse Aspekte erörtert, wie man nach unzähligen Projekten und vielen Erfahrungen im Bereich Medienbildung zu einem sinnvollen Schulunterricht kommt, der sowohl die Kompe-tenzen der Lehrkräfte wie auch die der Schüler – gemäß den wahrnehmungs-psychologischen Gegebenheiten der Kindsentwicklung – fördert. Auf Einladung des Förderkreises des Instituts für Medienverantwortung fand die Debatte am 27.11.2025 im Terzo Mondo zu Berlin statt.
Kritische Anmerkungen gab es aus dem Publikum, das zu einem großen Teil aus Lehrtätigen bestand; diese bemängelten u.a. die Kürzungen im Bildungsbereich. Also das Gegenteil von dem, was dringend benötigt wird in Sachen Schule und lebenslanges Lernen – weit über die Fragen eines neuen Schulfachs oder der demokratiefördernden Medienbildung hinaus.
Wie sich die Situation derzeit an einem Berliner Gymnasium darstellt, schilderte Herr Schulz eindrücklich. Prof. Richter stellte einen vorhandenen Nukleus in CeMIL vor, der wissenschaftliche geprüft wird. M.d.A. Brychcy von der Fraktion die LINKE zeigte Bedarf, aber auch haushalterische Grenzen und den Debattenstand in Berlin auf, während M.d.B. Hose von der CDU vor allem auf Regulierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen setzt. Die Gefahr, dass das komplexe Thema auf Digitalisierungsfragen reduziert wird, schien an einigen Stellen durch.
Die Podiumsdiskussion kann hier nachgesehen werden. Wichtige Erkenntnisse zur bisherigen Projektitis im Medienbildungsbereich – in die viel Geld nicht nachhaltig fließt – sowie zur Gestaltungsmöglichkeit eines ideologiefreien Schulfachs können Sie anhand der Dokumentation der IMV-Jubiläumskonferenz vom März 2025 20 Jahre IMV nachvollziehen (s. v.a. die Beiträge von Daniela Malz und Fabian Kursawe). Der Stand der Virtuellen Lehrplankommission des IMV wird regelmäßig aktualisiert. Aktuelles zum Thema Medienbildung finden Sie auf dem IMV-Blog www.generationmedien.de.
Medienkompetenz und Medienbildung sind in aller Munde, zumeist jedoch nur angesichts von Gefahren aus dem Internet. Dass die Medienbildung wichtig und ein Querschnittsthema für alles andere ist sowie dringend an Schulen gelehrt werden muss, ist bundesweiter Konsens. Hier besteht Handlungsbedarf, der unter Einbeziehung vorhandener Projekte wie Journalismus macht Schule u.v.m. nicht mehr nur auf dem Engagement einzelner Lehrkräfte aufbauen soll, sondern diesen die notwendigen Mittel an die Hand geben muss. U.a. die teilweise durch den Lobbyismus der IT-Branche inspirierten Konzepte, die auch im Bundestag kursieren, müssen auf den kritischen Prüfstand der Evaluation. Einen Lehrplan, evaluiertes didaktisches Material, eine Fachausbildung für Lehrkräfte, ein Studium und regelmäßige Fortbildungen gibt es immer noch nicht. Dabei bedeutet die Vermittlung von Media Literacy und die Reflexion von Meinungsbildungsprozessen einen aktiven Beitrag zu einer funktionierenden Demokratie. Um eine KMK-Lehrplankommission – also auf der Ebene der Kultusministerkonferenz – kommen wir also nicht herum.
Für Rückfragen steht gerne das IMV zur Verfügung: info @ medienverantwortung .de
Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand des Förderkreises Institut für Medienverantwortung e.V.
Der Förderkreis IMV e.V. hat in seiner Mitgliederversammlung am 27.11.2025 ein neues Vorstands–mitglied gewählt. Der Vorstand besteht nun aus Thomas Nehls (1. Vorstand, wie bisher), Jens Winkel–mann (neuer stellvertretender Vorstand) und Iris Häcker (Schatzmeisterin, wie bisher).
Silke Pieper, langjährige Mitarbeiterin des IMV und seit 2013 stellvertr. Vorstand, musste das Amt aus persönlichen Gründen niederlegen. Das bedauern wir sehr und bedanken uns sehr herzlich für ihre immer engagierte, mit-denkende und effiziente Arbeit! Und wir begrüßen ebenso herzlich Jens Winkelmann, freuen uns über seine Bereitschaft, das Amt zu übernehmen, und danken ihm für das Engagement, das er bereits gezeigt hat. Auf weiter gute Zusammenarbeit!
IMV: Das Institut für Medienverantwortung richtet sich an Medienschaffende und Mediennutzende gleichermaßen und klärt über Darstellungsmechanismen, Medieninhalte und Medienbildung in Seminaren, Publikationen und Konzepten auf.
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21.11.2025
Der Förderkreis IMV lädt alle Interessierten herzlich ein zu einem Diskussionsabend des Institut für Medienverantwortung e.V. (IMV):
Warum gibt es noch kein Schulfach Medienbildung?
am Donnerstag, 27. November 2025, um 18:00 Uhr, im „Terzo Mondo“, Grolmannstr. 28, 10623 Berlin, und per Live-Stream des „Terzo Mondo“ unter: https://www.terzomondo.de/event/warum-gibt-es-noch-kein-schulfach-medienbildung.
Wir möchten wissen, warum Medienbildung immer noch nicht regulär im Schulunterricht verankert ist. Allen ist klar, dass und warum es notwendig ist, schon unsere Schulkinder mit den Techniken der Medien vertraut zu machen. Was können wir glauben und was nicht, und wie können wir das überprüfen? Das ist für alle Lebensbereiche wichtig: um gegen Politikverdrossenheit vorzugehen, um in der Lage zu sein, sich seriös über Themen wie Wirtschaft, Klima(wandel), Gesundheit, soziale Medien, künstliche Intelligenz u.v.m. zu informieren – alles Bereiche, die für wichtig erachtet werden, damit Heranwachsende das immer komplexer werdende Leben meistern können und sich nicht im Wirrwarr der Nachrichten und Posts verlieren. Wir wollen und können nicht fordern, dass alles verboten oder eingeschränkt wird, um unsere Jugendlichen zu schützen. Sie müssen in die Lage versetzt werden, selbst und selbstbestimmt zu entscheiden.
Das alles ist nicht neu, sondern weitgehend Konsens. Konzepte gibt es reichlich. Ansätze und Projekte ebenfalls.
Wir haben das Institut für Medienverantwortung (IMV) gebeten, uns ein Podium zusammenzustellen und Antworten auf die Frage zu finden, „Warum gibt es noch kein Schulfach Medien?“.
Sabine Schiffer hat bildungspolitisch kompetente Personen kontaktiert und wird die Diskussion leiten mit: Prof. Dr. Carola Richter (Center for Media and Information Literacy (CeMIL) an der FU), Franziska Brychcy (bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus, Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft und Forschung sowie Mitglied im Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie), Michael Hose (Vorsitzender der Kinderkommission im Bundestag, Mitglied in den Ausschüssen für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie für Kultur und Medien, langjähriger Schulleiter) sowie Dr. Nils B. Schulz, Lehrer an einem Pankower Gymnasium mit Schwerpunkt Digitalisierung, langjähriger Lehrbeauftragter an der Universität Halle und Autor, der sich für ein Schulfach „Medientheorie“ einsetzt.
Wir freuen uns sehr und hoffen auf rege Teilnahme!
Weitere Informationen des IMV zu dem Thema Medienbildung – in dem es schon viele Jahre forscht und selbst ein Curriculum für ein Schulfach Medien entworfen hat – gibt es hier: https://www.generationmedien.de/.