Wir möchten auf den aktuellen monatlichen Newsletter – hier: Ausgabe Juni 2026 – des Instituts für Medienverantwortung (IMV) hinweisen. Er besteht aus der exzellenten Rezension eines ebensolchen Dokumentarfilms über die Sprengung der Nordstream-Pipeline. Rezension unbedingt lesenswert, Film unbedingt sehenswert. Hier der IMV-Newsletter-Text:

„Liebe Interessierte,

dieser Newsletter ist im Wesentlichen eine Rezension – die Filmbesprechung des Dokumentarfilms „Nordstream – die Sprengung“, der heute erscheint; die Premiere am 2. Juli 2026 im Berliner Babylon-Kino ist ausverkauft, weitere Vorführungen dort gibt es am 7.07. und 15.07.2026. Ab morgen kann der Film online gesehen und auch in eigene Orte und Vorführräume eingeladen sowie unterstützt werden: www.nordstreamfilm.de. Eine englische Version ist in Arbeit. Herausgeber ist das Hintergrund-Magazin: www.hintergrund.de. Sabine Schiffer war bei der Pressevorführung am Montag, 29.06.2026, im Berliner Sprechsaal anwesend und schildert ihre Eindrücke: 

Die Doku ist sowohl inhaltlich, als auch dramaturgisch gut gestaltet und verfolgt einen roten Faden. Dieser rankt um die These, dass das Hauptinteresse an der Sprengung der Nordstream-Pipelines in den USA liegt. Die Entwicklung seither, die am Ende des Films Bezug zu geopolitischen Ereignissen in Osteuropa nimmt, gibt dieser These recht – belässt aber auch einige offene Fragen, die am Ende erörtert und nicht als gelöst dargestellt werden; wie es hingegen die aktuelle Berichterstattung um einen verhafteten, mutmaßlichen ukrainischen Attentäter tut.

Ohne zu viel spoilern zu wollen, denn es lohnt den 120-minütigen Film in epischer Gänze zu sehen, muss besonders das Verhältnis von Seymour Hersh und Theodore Postol in den Blick genommen werden. Hersh hat 2023 mit seinem Scoop, dass US-Kräfte wie die CIA hinter der Sprengung der Pipelines stecken, Furore gemacht und sofort Kritik auf sich gezogen, weil er einem Whistleblower vertraute und keine zweite Quelle vorweisen konnte, die das Gesagte bestätigt. Zwar sind unsere Medien ansonsten nicht so (selbst)kritisch, immer auf eine zweite, wirklich unabhängige Quelle zu achten, aber hier scheint es als (Gegen)Argument nützlich.

Allerdings gibt es mit Prof. Ted Postol, Emeritus des renommierten Massachussets Institute of Technologie (MIT), durchaus eine Art zweite Quelle, denn er war mit seiner technischen Prüfung am Prüfungsprozess der Aussagen der CIA-Quelle beteiligt. Sein exklusives Interview im Film gibt tiefe Einblicke in ein journalistisches Prüfverfahren, das davon ausgeht, dass man mit einem strategischen Leak instrumentalisiert werden könnte, sich und den Sachverhalt in jeder Hinsicht absichern muss, bevor er die Öffentlichkeit erreicht, und gleichzeitig die Quelle unbedingt schützen muss. Die Einhaltung dieser journalistischen Standards würde man sich immer wünschen.

Neben eindrücklichen Aufnahmen vor Ort und Orten der Geschehen, die auch bekanntes und vor allem weniger bekanntes Videomaterial umschließen, lebt der Film von gehaltvollen Interviews. Zu Wort kommen neben den bereits Genannten der Journalist Dirk Pohlmann, der Amerikanist Dr. Jonas Tögel, der Publizist Dr. Werner Rügemer, der ehemalige CIA-Mitarbeiter Ray McGovern, der Osloer Forschungsprofessor Ola Tunander, der italienische Energie- und Geopolitik-Experte Demostenes Floros, der Experte für Unterwasser- und Offshore Operationen Erik Andersson, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat sowie der Lüdenscheider Unternehmer Axel Turck. Alle zusammen zeichnen das Bild einer Vorführung Deutschlands auf dem internationalen Parkett, dem die Bundesregierung nichts entgegensetzt – im Gegenteil, man könnte den Eindruck haben, dass diese für andere arbeitet, etwa die US-Regierung oder Investment-Fonds. Gerade mit den letzten Eindrücken der Doku rückt die Energie- und Wirtschaftskrise in den Fokus, die die Folge der Machenschaften auf den anderen sichtbaren und unsichtbaren Ebenen der Machtausübung sind, als die, die in den meisten unserer Medien erörtert werden. Aber auch die gerade breit kolportierte Segelboottheorie erhält ihre Würdigung. (Sabine Schiffer)

Transparenzhinweis: Sabine Schiffer arbeitete früher für Hintergrund und den Herausgeber Ronald Thoden – deshalb erhielt sie die Einladung zur Vorab-Pressevorführung des Nordstream-Films. 2014 gaben Thoden und Schiffer den Sammelband „Ukraine im Visier. Russlands Nachbar als Zielscheibe geostrategischer Interessen“ im Selbrund-Verlag heraus, der nichts an Aktualität verloren hat.

Mit freundlichen Grüßen

Euer IMV-Team

Institut für Medienverantwortung
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Pressemitteilung des IMV e.V., 26.06.2026

Solidarität mit DJU-Mitglied Hüseyin Doğru

Wir schließen uns dem Antrag von Rüdiger Göbel und Florian Warweg sowie dem offenen Brief an die Journalistenunion in Verdi an und unterstützen die Forderung, dass die DJU bei der Mitgliederversammlung am 27. Juni 2026 eine Solidaritätsnote für den Journalisten Doğru beschließe.

Denn abgesehen von der inhumanen Behandlung des Journalisten und seiner Familie durch extralegale EU-Sanktionen, stellt sein Case von Kriminalisierung einen wichtigen Präzedenzfall dar, der nicht hingenommen werden darf. Doğru wird ohne Anhörung oder richterlichen Beschluss wie ein ausländischer Agent eingestuft und von Reise- und Zahlungsverkehr ausgeschlossen, seine Berichterstattung wie auch seine Existenz verunmöglicht.

Dass diese Art von Kommunikationskontrolle als Warnung verstanden werden solle, machte der Pressesprecher des Auswärtigen Amtes am 13. Februar 2026 in der Bundespressekonferenz deutlich – nämlich in dem Sinne, dass hier eine Vorschau auf weitere Maßnahmen gegen gewissermaßen unliebsame Journalisten vorliege. Die mehr oder weniger deutliche Drohung kann in einer Demokratie auf keinen Fall hingenommen werden. Wie kann es sein, dass Politik bestimmt, was als Journalismus gelten darf und was nicht. Eine Vierte Gewalt ist unter diesen Bedingungen nicht zu garantieren. Denn ohne freie Medien, die Politik kontrollieren – und nicht umgekehrt – ist eine Demokratie nicht zu machen. 

Zu all dem schweigt die DJU bis heute, ein Jahr nach Verhängung der Sanktionen. So machte sich Doğrus Fall auch rar bei den Kommentierungen zum Pressefreiheits-Ranking von Reporter ohne Grenzen rund um den Tag der Pressefreiheit am 3. Mai.

Prof. Dr. Sabine Schiffer ist noch Mitglied in der DJU und fordert als solches, dass die Journalistenunion ihr Schweigen zu diesem Präzedenzfall breche, sich im Sinne gewerkschaftlicher Solidarität verhalte und klar öffentlich im Sinne der Meinungs- und Pressefreiheit Stellung beziehe.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Sabine Schiffer

Institutsleitung

Pressemitteilung des IMV e.V., 18.02.2026

Social-Media Regulierung (für Kinder) als Signal (für Eltern, IT-Branche & Gesellschaft) – nicht als Einfallstor für Zensur 

Wir begrüßen die Debatte um Social Media und deren Einfluss auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Reichlich spät wird erkannt, dass man die Dinge nicht einfach so laufen lassen kann in einer Welt, die den Kommerz über das Wohlbefinden der Menschen stellt. Besonders die unreifen Hirne kleiner Kinder müssen geschützt, Erfahrungen im Räumlichen mit allen Sinnen ermöglicht werden. Das geht weit über eine Verbotsdebatte zur Social-Media Nutzung hinaus, die zudem missbraucht werden kann, um Alters- und damit Kommunikationskontrolle im Internet zu forcieren. Außerdem kann die zwar richtige Erkenntnis, dass Medien-bildung in der Familie beginnt, weiterhin dazu verleiten, die enormen Gewinne bei der IT-Branche zu belassen, während Individuen und Krankenkassen die Schäden begrenzen und die Folgen finanzieren sollen. Hier ist eine komplexere Herangehens-weise vonnöten, als es die Politik und ihre Kommissionen derzeit planen.

Zu erweitern wäre die Debatte um Medienschutz auf die Bildschirmisierung von Kind-heit, weil auch das frühe Fernsehen verheerende Auswirkungen auf die Hirnent-wicklung der Kinder hat. Immerhin wurde erkannt, dass Algorithmen keine Naturge-walt sind und das Internet anders strukturiert werden könnte. Ob sich die Politik hier strukturell heranwagt, darf bezweifelt werden angesichts der verbreiteten Neigung zur Anpassung an US-Tech und -Politik. Ein anderes Internet gab es und ist möglich. Ein Studium und Schulfach Medienbildung gehört ebenso in die Handlungspalette wie eine Info-Kampagne für Eltern und Pädagogen, die sich vom Digitalisierungs-mantra des gefährlichen „so früh wie möglich“ verabschiedet und hinführt zu iner Orientierung der frühkindlichen wie schulischen Bildung an der Sinnes- und Wahr-nehmungsentwicklung der Kinder, wie sie Jean Piaget beschrieb und von der neuro-logischen Forschung bestätigt wurde. Eltern bereits süchtiger Kinder sind oft über-fordert mit dem Druck durch diese. Die die gesamte Wohn-/Arbeits-/Verkehrssituation ist darum in die Maßnahmen einzubeziehen.

Wir vom IMV stehen weiterhin mit unserer Expertise zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Sabine Schiffer

Institutsleitung

IMV: Das Institut für Medienverantwortung richtet sich an Medienschaffende und Medien­nutzende gleichermaßen und klärt über Darstellungsmechanismen, Medieninhalte und Medienbildung in Seminaren, Publikationen und Konzepten auf.

Medienbildung an Schulen und Universitäten

Es gibt Ansätze für ein Schulfach Medienbildung, z.B. in Erfurt und Berlin, aber keine Systematik und noch nicht einmal einen umfassenden Lehrplan für ein Studienfach der Lehrkräfte-Ausbildung. Das kontrovers diskutierende Podium, das aus dem Lehrer und Autor Nils B. Schulz, Prof. Carola Richter von der Freien Universität, sowie Franziska Brychcy für die Landespolitik Berlin und Michel Hose für die Bundesbildungspolitik bestand, war sich in einem einig: es muss etwas geschehen, damit aus den Ansätzen ein nachhaltiges Studien- und Schulfach Medienbildung entstehen kann.

Unter der Diskussionsleitung von Prof. Sabine Schiffer wurden diverse Aspekte erörtert, wie man nach unzähligen Projekten und vielen Erfahrungen im Bereich Medienbildung zu einem sinnvollen Schulunterricht kommt, der sowohl die Kompe-tenzen der Lehrkräfte wie auch die der Schüler – gemäß den wahrnehmungs-psychologischen Gegebenheiten der Kindsentwicklung – fördert. Auf Einladung des Förderkreises des Instituts für Medienverantwortung fand die Debatte am 27.11.2025 im Terzo Mondo zu Berlin statt.

Kritische Anmerkungen gab es aus dem Publikum, das zu einem großen Teil aus Lehrtätigen bestand; diese bemängelten u.a. die Kürzungen im Bildungsbereich. Also das Gegenteil von dem, was dringend benötigt wird in Sachen Schule und lebenslanges Lernen – weit über die Fragen eines neuen Schulfachs oder der demokratiefördernden Medienbildung hinaus.

Wie sich die Situation derzeit an einem Berliner Gymnasium darstellt, schilderte Herr Schulz eindrücklich. Prof. Richter stellte einen vorhandenen Nukleus in CeMIL vor, der wissenschaftliche geprüft wird. M.d.A. Brychcy von der Fraktion die LINKE zeigte Bedarf, aber auch haushalterische Grenzen und den Debattenstand in Berlin auf, während M.d.B. Hose von der CDU vor allem auf Regulierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen setzt. Die Gefahr, dass das komplexe Thema auf Digitalisierungsfragen reduziert wird, schien an einigen Stellen durch.

Die Podiumsdiskussion kann hier nachgesehen werden. Wichtige Erkenntnisse zur bisherigen Projektitis im Medienbildungsbereich – in die viel Geld nicht nachhaltig fließt – sowie zur Gestaltungsmöglichkeit eines ideologiefreien Schulfachs können Sie anhand der Dokumentation der IMV-Jubiläumskonferenz vom März 2025 20 Jahre IMV nachvollziehen (s. v.a. die Beiträge von Daniela Malz und Fabian Kursawe). Der Stand der Virtuellen Lehrplankommission des IMV wird regelmäßig aktualisiert. Aktuelles zum Thema Medienbildung finden Sie auf dem IMV-Blog www.generationmedien.de.  

Medienkompetenz und Medienbildung sind in aller Munde, zumeist jedoch nur angesichts von Gefahren aus dem Internet. Dass die Medienbildung wichtig und ein Querschnittsthema für alles andere ist sowie dringend an Schulen gelehrt werden muss, ist bundesweiter Konsens. Hier besteht Handlungsbedarf, der unter Einbeziehung vorhandener Projekte wie Journalismus macht Schule u.v.m. nicht mehr nur auf dem Engagement einzelner Lehrkräfte aufbauen soll, sondern diesen die notwendigen Mittel an die Hand geben muss. U.a. die teilweise durch den Lobbyismus der IT-Branche inspirierten Konzepte, die auch im Bundestag kursieren, müssen auf den kritischen Prüfstand der Evaluation. Einen Lehrplan, evaluiertes didaktisches Material, eine Fachausbildung für Lehrkräfte, ein Studium und regelmäßige Fortbildungen gibt es immer noch nicht. Dabei bedeutet die Vermittlung von Media Literacy und die Reflexion von Meinungsbildungsprozessen einen aktiven Beitrag zu einer funktionierenden Demokratie. Um eine KMK-Lehrplankommission – also auf der Ebene der Kultusministerkonferenz – kommen wir also nicht herum.

Für Rückfragen steht gerne das IMV zur Verfügung: info @ medienverantwortung .de

Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand des Förderkreises Institut für Medienverantwortung e.V.

Der Förderkreis IMV e.V. hat in seiner Mitgliederversammlung am 27.11.2025 ein neues Vorstandsmitglied gewählt. Der Vorstand besteht nun aus Thomas Nehls (1. Vorstand, wie bisher), Jens Winkelmann (neuer stellvertretender Vorstand) und Iris Häcker (Schatzmeisterin, wie bisher).

Silke Pieper, langjährige Mitarbeiterin des IMV und seit 2013 stellvertr. Vorstand, musste das Amt aus persönlichen Gründen niederlegen. Das bedauern wir sehr und bedanken uns sehr herzlich für ihre immer engagierte, mitdenkende und effiziente Arbeit! Und wir begrüßen ebenso herzlich Jens Winkelmann, freuen uns über seine Bereitschaft, das Amt zu übernehmen, und danken ihm für das Engagement, das er bereits gezeigt hat. Auf weiter gute Zusammenarbeit!

IMV: Das Institut für Medienverantwortung richtet sich an Medienschaffende und Medien­nutzende gleichermaßen und klärt über Darstellungsmechanismen, Medieninhalte und Medienbildung in Seminaren, Publikationen und Konzepten auf.